„Ein Zeichen, dass Kunst und Kultur lebendig sind“

Schlüssiges Corona-Konzept macht’s möglich: KUNSTMEILE Trostberg ‘21 findet statt – 79 Künstler präsentieren in Trostberg rund 200 Werke

Die KUNSTMEILE Trostberg ‘21 öffnet ihre Pforten, doch die Türen bleiben zu. Von Freitag, 7. Mai, bis Pfingstmontag, 24. Mai, findet Südbayerns größte Ausstellung zeitgenössischer Kunst statt – ohne Publikumspräsenz in den Ausstellungsräumen. Die Werke sind dennoch zu sehen: Alternativ zum regulären Ausstellungsbetrieb stellt das Organisationsteam – Initiator Werner Pink, Dr. Johanna Steiner und Monika Wiedl vom Kulturamt der Stadt Trostberg, Dr. Rainer Lihotzky, Anton Zeitlmayr und Andreas Falkinger – die Kunst ins Schaufenster, nicht mehr nur sprichwörtlich, sondern ganz handfest. Die Arbeiten werden in den Glasfronten des Postsaals, des Atriums am Stadtmuseum, in den Schaukästen des Stadtkinos Trostberg und in Schaufenstern der Altstadt-Geschäfte zu sehen sein.

„Damit betonen wir noch stärker den Meilen-Charakter unserer KUNSTMEILE“, sagt Lihotzky, Sprecher des Organisationsteams. „Die Kunstwerke sind auf die 1,6 Kilometer lange Strecke verteilt. Kunst kann man sich ,erlaufen‘.“ So wird Pinks Vision, „eine ganze Stadt zur Galerie werden zu lassen“, die er vor fast zwei Jahrzehnten hatte, noch intensiver Realität. So wie der Trostberger Künstler damals Kommunalpolitik und regionale Wirtschaft von seiner Idee überzeugt hatte und es mit dem Team seither alle zwei Jahre schafft, Ausstellungen von überregionaler Bedeutung auf die Beine zu stellen, so haben es die Kunstmeilenmacher geschafft, Künstler, Politik und Wirtschaft für eine Corona-Ausgabe der Kunstmeile zu gewinnen. Die Teilnehmer kommen aus ganz Bayern, aus Hessen, Schleswig-Holstein, Österreich, Italien, China und Japan: 79 Künstler präsentieren in den zweieinhalb Kunstmeilen-Wochen rund 200 Werke.
Die Hauptlast der Finanzierung trägt die Stadt Trostberg; unterstützt wird sie dabei vom Förderkreis der Wirtschaft, vom Bezirk Oberbayern, dem Landkreis Traunstein, der EUREGIO Salzburg – Berchtesgadener Land – Traunstein und zahlreichen Unternehmen aus Trostberg und Umgebung.

„Jetzt erst recht“ statt „Jetzt nicht“

Seit Ende letzten Jahres spielt das Team alle erdenklichen Szenarien durch, die den gewohnten Ablauf der KUNSTMEILE, die heuer zum 9. Mal stattfindet, durcheinanderbringen können. Hygienekonzepte für jedes Infektionsgeschehen, mit Vernissage, ohne Vernissage, mit Publikumsverkehr in den Räumen, ohne. Denn auf eines hatten sich die Organisatoren gleich zu Anfang geeinigt: „Wir machen’s.“ Teamsprecher Lihotzky: „Ein ,Jetzt nicht‘ kam gar nicht auf, ,Jetzt erst recht‘ war immer die Devise.“

In dieser Haltung wurde das Team auch von Trostbergs Erstem Bürgermeister Karl Schleid unterstützt: „Zweifel daran, dass wir die KUNSTMEILE durchführen können, gab es eigentlich nie.“ Da sich zahlreiche Skulpturen im Freien befinden, könne ein Teil der KUNSTMEILE immer bei einem Spaziergang an der frischen Luft – unabhängig vom Infektionsgeschehen – besucht werden. Selbstverständlich sei mit steigenden Inzidenzwerten die Frage immer mehr in den Mittelpunkt gerückt, was mit der Ausstellung im Innenbereich geschehe. „Aber auch hier war schnell klar, dass wir nicht absagen werden.“ Gerade jetzt erfülle die KUNSTMEILE eine wichtige Aufgabe: „In Zeiten, in denen die Verunsicherung groß ist und die gewohnte Stabilität brüchig wird, braucht es ein Zeichen, dass Kunst und Kultur lebendig sind und dass die Schaffenskraft unserer hier so zahlreichen Künstler ungebrochen ist“, sagte Schleid.

Beim Pressegespräch im Kleinen Sitzungssaal des Trostberger Rathauses präsentierten Bürgermeister Karl Schleid, Kulturamtsleiterin Dr. Johanna Steiner, Monika Wiedl vom Kulturamt, Anton Zeitlmayr, Kunstmeilen-Initiator Werner Pink und Teamsprecher Dr. Rainer Lihotzky (von links) den druckfrischen Ausstellungkatalog. Foto: fal

„Dankbarkeit und Anerkennung“

Von den Kunstschaffenden selbst kommt auch viel Zuspruch: Bei der Anlieferung der Werke, die gerade läuft, werden laut Lihotzky zwei Aspekte immer wieder betont: „Dankbarkeit, dass ihnen in Corona-Zeiten diese Möglichkeit zur Präsentation geboten wird. Und Anerkennung für das Projekt KUNSTMEILE Trostberg ‘21 generell, besonders aber für die Tatsache, dass sich das Kunstmeile-Team unter den gegebenen misslichen Bedingungen diese Unternehmung antut.“

Dass während der Kunstmeilenzeit das strikteste aller entworfenen Konzepte greifen muss, ist kein Beinbruch: Man hat sich verantwortungsbewusst darauf vorbereitet. Die große Politik wird nicht müde, die gesellschaftliche Relevanz von Kunst und Kultur zu betonen, versäumt es dabei aber weitgehend, diesen warmen Worten Taten folgen zu lassen. In diesen für Kulturschaffende besonders herausfordernden Zeiten wollen Organisationsteam und Stadt einerseits den Künstlern eine ansprechende Bühne bereiten und andererseits den Menschen eine qualitativ hochwertige Gelegenheit bieten, Kunst genießen zu können. Eine mehr als willkommene bunte Abwechslung im kulturellen Pandemie-Grau.

TV-Beitrag statt Vernissage

Auf eine Vernissage müssen Künstler und Kunstinteressierte diesmal verzichten. Stattdessen wird das „Regional Fernsehen Oberbayern“ die Eröffnungsrede des Bürgermeisters und einen Rundgang von Lihotzky und Pink durch die Ausstellungsräume, bei dem sie Wissenswertes zu KUNSTMEILE  und Künstlern erzählen, aufzeichnen. Ausgestrahlt wird die Sendung zum Zeitpunkt der ursprünglich geplanten Vernissage: am Donnerstag, 6. Mai, um 18.30 Uhr.

Für die Fernsehaufnahmen werden die Arbeiten ganz regulär gehängt und gestellt. Zumindest für die Sendung versuchen die Macher der Ausstellung, die Atmosphäre einer „normalen“ Kunstmeile herzustellen. Auch auf dieser Internetseite werden die Werke in gewohnter Kunstmeilen-Umgebung zu sehen sein.

Nachdem Kameraleute und Fotografen aus dem Postsaal abgezogen sind, geht das Team erneut an die Arbeit, hängt die Werke wieder ab und verteilt Gemälde, Grafiken und Kleinskulpturen schlüssig in den Glasfronten, Schaukästen und Schaufenstern an der Kunstmeilen-Strecke. „Wir wollen erreichen, dass Trostberg für Kunstinteressierte trotz Corona einen Ausflug wert ist.“ Und Lihotzky ist überzeugt: „Das wird uns mit unserem Konzept auch gelingen.“

Katalog zur Kunstmeile Trostberg '21

Ausstellungskatalog

Einen attraktiven Katalog zur KUNSTMEILE Trostberg ‘21 hat Monika Wiedl vom Kulturamt der Stadt Trostberg in Zusammenarbeit mit Matthias Hauer erstellt: Alle beteiligten Künstler und jeweils eine ihrer ausgestellten Arbeiten werden kurz vorgestellt. Beim Pressegespräch im Kleinen Sitzungssaal des Trostberger Rathauses präsentierten Bürgermeister Karl Schleid und das KUNSTMEILE-Team das druckfrische Werk.

Der Katalog ist ab sofort in der Buchhandlung Oskar Erdl und bei der Werbeagentur Amler in Trostberg, bei Grütter Buch + Spiel in Traunreut und in der Buchhandlung Stifel in Traunstein erhältlich.

Zahlen, Daten, Fakten und Pandemie-Vorgaben

 

Die KUNSTMEILE Trostberg  findet seit 2005 im zweijährigen Turnus statt. Die neunte Auflage beginnt am Freitag, 7. Mai und endet am Pfingstmontag, 24. Mai.

Vernissage und Finissage entfallen coronabedingt. Das Rosenheimer Regionalfernsehen zeichnet stattdessen die Eröffnungsrede von Bürgermeister Karl Schleid und einen Gang durch die Postsaal-Ausstellungräume mit Teamsprecher Dr. Rainer Lihotzky und KUNSTMEILE-Initiator Werner Pink auf. Gesendet wird der Beitrag am Donnerstag, 6. Mai, um 18.30 Uhr.

79 Künstler*innen sind diesmal mit von der Partie. Sie kommen aus fünf Ländern – aus Deutschland, Österreich, Italien, China und Japan – und zeigen insgesamt rund 200 Arbeiten. Seit der ersten KUNSTMEILE haben sich insgesamt 175 Künstler an Südbayerns größter Schau zeitgenössischer Kunst beteiligt.

Auf der 1,6 Kilometer langen Strecke der KUNSTMEILE Trostberg ‘21 ist an folgenden Stationen Kunst zu genießen: Atrium am Stadtmuseum, Hauptstr. 58, Postsaal, Schaufenster in der Altstadt, Stadtkino Trostberg, Heinrich-Braun-Mittelschule Trostberg; Großplastiken im Freigelände zwischen den Stationen.

 

Corona-Maßnahmen

  • Ausstellungsräume Postsaal, Atrium, Hauptstr. 58, Heinrich-Braun-Mittelschule, Stadtkino müssen geschlossen bleiben
  • nach Aufzeichnung durch rfo Abhängen der Werke und Verteilung auf Schaufenster in der Altstadt und Glasfronten von Postsaal, Atrium und Stadtkino
  • Arbeiten aus dem Schülerwettbewerb sind durch die Glasfront des Foyers der Heinrich-Braun-Mittelschule zu sehen
  • virtuelle Ausstellung auf dieser Webseite: Online-Präsentation aller Arbeiten aller Künstler